
Was wir bisher wissen
Wir haben telefoniert, E-Mails geschrieben, Briefe verschickt, persönliche Gespräche mit Politik und Verwaltung, öffentlichen und privaten Akteur:innen geführt und uns vernetzt.
Nun ist er endlich für euch da: Unser erster Infobrief zur geplanten Unterkunft im ehemaligen Gebäude der Deutschen Rentenversicherung an der Hasenheide.
Sicherlich seid ihr genauso gespannt auf die bisher bekannten Zahlen und Fakten zur Unterkunft, denn kaum eine andere Aussage haben wir öfter im Gespräch mit euch gehört, als dass es einfach viel zu wenige Informationen zu diesem Thema gibt.
Deshalb veröffentlichen wir nun unmittelbar eine Faktenliste zur geplanten Einrichtung und erklären im Nachgang Details und Hintergründe.
Informationsstand zur geplanten Unterkunft in der Hasenheide
(Stand: 09.12.2024, aktualisiert 14.05.2025)
Die folgenden Informationen spiegeln den derzeit (Ende Mai 2025) bekannten Planungsstand zur geplanten Nutzung des ehemaligen Gebäudes der Deutschen Rentenversicherung wieder.
Die Angaben basieren auf einem internen Austausch mit der Fachbereichsleitung Gemeinwesenarbeit des Nachbarschaftshauses Urbanstraße, sowie auf öffentlich zugänglichen Informationen.
Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und verstehen sich als Zwischenstand.
Zeitplan
(Stand Mai 2025)
- Bauabnahme: Ende 2026
- Inbetriebnahme: Anfang 2027
- Betreiberfindung: erfolgt voraussichtlich ca. 9 Monate vor Inbetriebnahme durch das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) (Verhandlungsvergabe möglich)
Geplante Nutzung
(Stand: 09.12.2024, aktualisiert 14.05.2025)
Das ehemalige Gebäude der Deutschen Rentenversicherung soll nach über zwei Jahren Leerstand einer neuen Nutzung als Geflüchtetenunterkunft zugeführt werden.
Im Regelbetrieb sind für ca. 1030 Personen zwei getrennte Unterbringungseinheiten vorgesehen:
- Eine Erstaufnahmeeinrichtung mit einer Regelbelegung von ca. 790 Personen, darunter Familien mit ca. 158 Kindern im Grundschulalter.
Ein Frauenbereich ist geplant.
Verweildauer: 6–18 Monate, rechtlich bis zu 24 Monate möglich.
Maximalbelegung: bis zu 1.110 Personen – nur in Ausnahmesituationen (z. B. neue Fluchtbewegungen). - Eine räumlich und organisatorisch getrennte Clearingstelle für ca. 240 unbegleitete minderjährige Geflüchtete (durchschnittlich 17 Jahre alt).
Verweildauer: 2–4 Wochen.
Die kurze Verweildauer hat sich in Erfahrungswerten aus bestehenden ähnlichen Einrichtungen in Berlin als realistisch erwiesen.
Aktuell erwartete Herkunftsländer:
- 🇺🇦 Ukraine – Fluchtgrund vornehmlich Krieg und Zerstörung der lokalen Infrastruktur
- 🇹🇷 Türkei – Fluchtgrund vornehmlich politische Verfolgung, Menschenrechtsverletzungen und Naturkatastrophen
- 🇦🇫 Afghanistan – Fluchtgrund vornehmlich Menschenrechtsverletzungen, Armut, Hunger und Naturkatastrophen
- 🇸🇾 Syrien – Fluchtgrund vornehmlich anhaltende Instabilität durch Folgen des Bürgerkriegs
Geplante Infrastruktur
(Stand 09.12.2024, aktualisiert 14.05.2025)
- Das gesamte Erdgeschoss soll für Gemeinschaftsnutzungen vorgesehen werden.
- Es gibt zwei Nutzungskonzepte in Konkurrenz:
- Das erste Konzept sieht mehrere Räume zur flexiblen Nutzung vor, mit denen diverse Bedürfnisse abgedeckt werden können
- Das zweite Konzept geht von der Notwendigkeit einer Beschulung im Gebäude aus und sieht das komplette Erdgeschoss als Schulfläche vor.
- Sollte die Beschulung der schulpflichtigen Kinder innerhalb der Einrichtung stattfinden, würden dadurch kaum noch Räume für andere Angebote vorhanden sein.
- Der Bezirk bemüht sich parallel um Alternativen, auch im Austausch mit Neukölln.
- Es gibt zwei Nutzungskonzepte in Konkurrenz:
- Gemeinschaftliche Teeküchen sind auf den Etagen vorgesehen – darunter ein Kochstudio, das perspektivisch auch von Vereinen für Angebote genutzt werden könnte.
- Sozialberatungen sollen vor Ort angeboten werden.
Weitere Informationen
Eine öffentliche Infoveranstaltung des LAF ist für die Woche ab dem 23.06.2025 in Planung, aber noch unbestätigt.
Wir werden dazu einladen, sobald der genaue Termin bekannt ist.
Was bisher geschah
Nach den Fakten nun die Hintergründe.
Wie schon Eingangs angedeutet, haben wir uns umfassend mit den relevanten Akteur:innen mit Bezug zur Planung der Unterkunft auseinandergesetzt und ausgetauscht. Auf unserer Webseite findet ihr eine Zeitleiste zur bisherigen Vernetzung und eine Kurzfassung der jeweiligen Ergebnisse in Bezug auf die oben genannten Fakten.
Was haben wir erreicht?
Über die vergangenen Wochen konnten wir viele wichtige Informationen sammeln, Fragen stellen und anfangen, ein umfassendes Netzwerk zu knüpfen. Trotz der relativ kurzen Zeit, in der wir als Bündnis öffentlich aktiv sind, können wir bereits Erfolge verzeichnen, die uns Mut machen und darauf freuen lassen, dass wir den Beginn einer engagierten Zusammenarbeit mit diversen Akteur:innen aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft erleben.
Auch haben wir regen Zuspruch aus der Zivilgesellschaft erfahren und können bereits vielversprechende Zahlen aus der Öffentlichkeitsarbeit vermelden.
Wir freuen uns über:
- mehr als 200 Teilnehmer:innen an unserer Stimmungsbildumfrage
- mehr als 160 Follower auf Instagram
- über 130 Newsletter-Anmeldungen
- über 35 Menschen, die Interesse haben, bei uns mitzumachen
- erste Presseanfragen
Informationsgewinnung
Durch unsere umfangreichen Bemühungen haben wir Informationen von Senat, Bezirk, SPK (Sozialraumorientierte Planungskoordination), GWA (Fachbereich Gemeinwesenarbeit) und aus der Zivilgesellschaft sammeln können, die bereits jetzt ein deutlich klareres Bild über die Pläne für die künftige Unterkunft zeichnen.
So können wir in Abstimmung mit dem GWA des Nachbarschaftshauses Urbanstraße (NHU) bereits jetzt folgende umfangreiche Bedarfsabfrage veröffentlichen, die zum aktuellen Zeitpunkt noch offene, aber bereits in Diskussion befindliche Themenbereiche und Einzelthemen aufzeigt.
Stimmungsbild
Auch unsere Stimmungsbildumfrage hat bereits spannende Ergebnisse hervorgebracht.
Wir werden die Umfrage noch einige Wochen weiter laufen lassen und anschließend eine detaillierte, anonymisierte und moderierte Auswertung der Ergebnisse präsentieren.
Einen Zwischenstand der Umfrage findet ihr hier.
Wir erkennen den deutlichen Wunsch unserer Kieze, transparente Informationen über die Planung zu erhalten, in die Prozesse eingebunden zu werden und ein Mitspracherecht in der Umsetzung auszuüben, sowie eine große Bereitschaft, dafür zu sorgen, dass die Unterkunft mit deutlich mehr, als nur Mindeststandards ausgestattet wird, damit von Anfang an eine gemeinschaftliches Zusammenleben aller Beteiligten ermöglicht wird, statt abgekapselter Sozialräume.
Diese Forderungen unterstützen und befördern wir als Willkommensbündnis im Selbstverständnis als Sprachrohr für alle Interessierten.
Wie geht es weiter?
Es war ein arbeitsreicher, aber lohnenswerter Auftakt für uns. Wir sind stolz, nach wochenlanger Vernetzungsarbeit die gezeigte Fülle an Informationen teilen zu können. Dennoch ist hiermit nur der erste Schritt getan.
Gemeinsam wollen wir in den nächsten Wochen und Monaten dafür sorgen, dass der Senat und das LAF ihren Verpflichtungen in der Bürger:innen-Information gerecht werden und ihrem Versprechen, die Unterkunft Hasenheide zu einem „Modellprojekt“ werden zu lassen, nachkommen.
Kommende Termine
| 05.06.2025 | Trefft uns am Infostand am Donnerstag, den 05.06.2025 beim Sommer-Nachbarschaftsfest in der Düttmann-Siedlung |
| Woche vom 23.-29.06.2025 | Diskutiert mit uns und dem LAF bei einer öffentlichen offiziellen Informationsveranstaltung vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten. Den genauen Termin geben wir bekannt, sobald er feststeht. |
| Bündnistreffen | Wir wollen uns mit unseren aktiven Mitgliedern und interessierten Gästen künftig regelmäßig treffen. Details hierzu geben wir zeitnah bekannt. |
| Workshops | Wir planen diverse Workshops in Kooperation mit unserem Netzwerk. Eine erste Veranstaltungsreihe mit dem bundesweiten sozialen Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus“ zum Thema „Argumentieren gegen Rechts“ mit Fokus auf das Thema Geflüchtetenunterkunft ist in Planung. |
Dabei bleiben und Mitmachen
Wie ihr seht, haben wir also bereits viel erreicht, haben aber noch eine große Aufgabe vor uns, zu der die bisherigen Aktivitäten nur die Vorbereitung sind.
Wir freuen uns daher weiterhin über jede Neuanmeldung – ganz egal, ob für unseren Newsletter, auf Instagram, zum Mitmachen, für die aktuelle Umfrage, oder für unsere künftigen Bündnistreffen – und wollen wachsen, um möglichst vielen unserer heutigen und künftigen (Neu-)Nachbar:innen Gehör bei Land, Stadt und Bezirk in dieser Sache zu verschaffen.
Gemeinsam fordern wir:
- Transparente Informationen
- Mitsprache
- Mehr als nur Mindeststandards
- Finanzielle Mittel und umfassende Unterstützung für die Integration im Sozialraum
Wir freuen uns auf unseren weiteren gemeinsamen Weg und den nächsten Infobrief.
Bis dahin mit nachbarschaftlichen Grüßen,
Euer Willkommensbündnis Hasenheide